Wettbewerb
Die Mauer und der Wildhundzaun in Australien
Berlin, Bernauer Straße
Mauer
Vogel
20th Century Wailing Wall
Antifaschistischer Schutzwall
Berlin Mural
Mauerspechte
Ohne Titel
Transformierung eines Pentagramms zu einem Friedensstern in einem großen Europa ohne Mauern
Stay Free
Umleitung in den japanischen Sektor
Ohne Titel
Mein Gott hilf mir diese tödliche Liebe zu überleben
Danke Andrej Sacharow
Gedenkort Weiße Kreuze
Installation aus Tüchern
Menons Klagen um Diotima
Die Masken
Gefräßiger Walfisch
Parlament der Bäume
Mauerverlauf mit eingelassenen Gedenktafeln
Gedenkstelen Berliner Mauer

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  • 2009
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Mauerkunst: Was ist das?

Definition und Beispiele

Mauerkunst – bei diesem Begriff denken viele Menschen zuerst an Graffiti. Die Westseite der Berliner Mauer war während der Zeit ihres Bestehens übersät von gesprühten und gemalten Botschaften von Künstlern und Amateuren. Einige dieser Graffiti wurden weltberühmt, zum Beispiel Keith Harings Menschenkette nahe des Checkpoint Charlie oder die Köpfe von Thierry Noir.

Die Berliner Mauer war aber nicht nur eine Leinwand für kreative Straßenkünstler. Sie war vor allem auch ein Symbol für die deutsche Teilung, genauso eines für die Überwindung dieser Teilung und die Deutsche Einheit. Sehr unterschiedliche Künstler haben sich mit der Berliner Mauer auseinandergesetzt und ihre eigenen Interpretationen zu diesem historischen Kapitel entwickelt.

Der Mauer kommt als geschichtsträchtigem Bauwerk eine wichtige historische Bedeutung zu. Sowohl staatliche als auch nichtstaatliche Akteure schaffen daher Erinnerungskunst und Gedenkstätten zur Berliner Mauer.

Mauerkunst ist vielseitig – sie schließt verschiedene Kunstformen, Techniken und Stile ein. In ihr finden sich Graffiti, Bildhauerei, städtebauliches Engagement und Malerei.

All das ist Mauerkunst: Kunst auf der Mauer, Kunst über die Mauer und die Mauer als Gedenkobjekt. Die Mauer verbindet Kunst mit Geschichte.

Mauerkunst ist vielmals Kunst von Westdeutschen. Aber auch ostdeutsche Künstler haben sich mit der Mauer auseinandergesetzt und sowohl vor als auch nach dem Mauerfall ihre Haltung zu dieser symbolisch aufgeladenen Grenze ausgedrückt. Häufig gründete sich diese Auseinandersetzung auf der eigenen Erfahrung mit den Einschränkungen durch die Grenze und das politische System der DDR. Thomas Klingenstein konnte in der DDR wegen seiner kritischen Haltung nicht Japanologie studieren, später wurde er verhaftet und abgeschoben. Die Malerin Annemirl Bauer wandte sich gegen die beschneidende Realität der innerdeutschen Grenze und forderte Reisefreiheit für ihre Mitbürger. Aufgrund ihrer Haltung erfuhr sie systematische Repressionen und „Zersetzungsmaßnahmen“: fingierte Steuernachzahlungen, staatlich angeordnete Einbrüche in ihr Atelier und den Ausschluss aus dem Verband Bildender Künstler der DDR.

Mauerkunst endet nicht mit dem Mauerfall – auch nach dem Ende der Teilung Deutschlands entstanden Mauerkunstwerke, die sich mit der Realität der nun vergangenen Mauer beschäftigen.

Das macht Mauerkunst für den Unterricht so interessant. Mit ihr lassen sich historische Fakten und Zusammenhänge ergründen. Zusätzlich kann durch Mauerkunst nachvollzogen werden, was die Berliner Mauer für die Menschen bedeutete und welche Aussagen Künstler über sie getroffen haben. Häufig sind diese Äußerungen von Alltagserfahrungen geprägt – zugleich haben sie wegen des Bezugspunktes Mauer einen geschichtsträchtigen Charakter.

Historischer Hintergrund

Schon vor dem Bau der Berliner Mauer und der Befestigung der innerdeutschen Sperranlagen war Deutschland ein geteiltes Land. Bis zum Bau der Mauer konnten die Sektorengrenzen in Berlin aber noch relativ problemlos passiert werden: Jeden Tag überquerten etwa eine halbe Million Berliner die Grenze in beide Richtungen – um zu arbeiten, um Familie und Freunde zu besuchen oder um trotz Verbot durch die DDR-Behörden einzukaufen. Immer mehr Menschen nutzten diese Situation, um nach Westdeutschland zu fliehen. Dreieinhalb Millionen Menschen waren es insgesamt zwischen 1945 und 1961.

Vor allem junge Leute zog es in den Westen. Im Frühjahr 1961 stand die DDR vor dem wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch. Der Bau der Mauer war die Antwort der DDR-Regierung und der Führung der Sowjetunion auf diese Entwicklung.

Am 13. August 1961 begannen Tausende ostdeutsche Volks- und Grenzpolizisten mit der Errichtung von Sperranlagen aus Pflastersteinen, Betonpfählen und Stacheldraht. Der grenzüberschreitende Verkehr der U- und S-Bahnen wurde unterbrochen. Im Hintergrund standen militärische Einheiten der Nationalen Volksarmee der DDR und sowjetische Truppen bereit, um Durchbrüche an der Grenze notfalls gewaltsam zu verhindern.

Die ersten Stacheldrahthindernisse hielten die Menschen nicht von der Flucht ab. Ein paar Tage nach der Abriegelung fingen Bauarbeiter daher an, eine Mauer aus Hohlblocksteinen zu errichten und so den Grenzübertritt zu erschweren. Fortan wurden die Sperranlagen der DDR immer weiter ausgebaut. Noch im November 1961 verstärkten Bauarbeiter und Grenzpolizisten die Grenze am Brandenburger Tor mit Beton-Lochplatten aus dem Straßenbau. An der Bernauer Straße mauerte man die an den Westteil grenzenden Häusereingänge erst zu, nach spektakulären Fluchtversuchen durch die Fenster der Wohnungen wurden die Häuser schließlich geräumt. Ab Mitte der Sechzigerjahre baute man die Mauer in Plattenbauweise, erst in den Siebzigerjahren wurde die bekannteste Form der Mauer – die sogenannte Grenzmauer-75 mit einer Rohrauflage – errichtet. Diese Mauer war aber nur der von Westen sichtbare Teil der Grenzanlage. Auf der Ostseite der Mauer wurden zusätzliche bauliche Vorkehrungen getroffen, die eine Flucht verhindern sollten: Im Todesstreifen wurden Beobachtungstürme errichtet und Patrouillenwege angelegt. Alarmzäune und Hinterlandmauern hinderten die Menschen darüber hinaus daran, überhaupt näher an die Grenze heranzukommen.

Trotzdem gelang es Flüchtenden immer wieder, die Sperranlagen zu überwinden. Etwa 5.000 geglückte Fluchten gab es in Berlin zwischen 1961 und 1989. Die Flüchtlinge bauten Tunnel, versuchten die Grenzabsperrungen mit Fahrzeugen zu durchbrechen oder über Spree und Havel ans rettende andere Ufer zu schwimmen. Im selben Zeitraum gelang etwa 38.000 Menschen die Überwindung der Berliner und innerdeutschen Sperranlagen. Mit dem fortschreitenden Ausbau dieser Anlagen wurden es jedoch immer weniger.

Ab 1961 wurden immer wieder Flüchtende im Todesstreifen erschossen oder verunglückten tödlich. Mindestens 800 Menschen kamen an der innerdeutschen Grenze und in der Ostsee ums Leben, wie viele es genau waren, ist umstritten. Für Berlin haben das Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam und die Stiftung Berliner Mauer eine Mindestanzahl von 136 Mauertoten ermittelt.

Die Mauer und die gewalttätigen Fluchtverhinderungen lösten große Empörung aus. In West-Berlin wurde sie schnell als „Schandmauer“ geächtet. Der West-Berliner Senat ließ in Sackgassen, die durch die Mauer entstanden waren, Schilder mit dem Aufdruck aufstellen: „Sackgasse – verursacht durch die Schandmauer“.

In der DDR hingegen rechtfertigte die SED-Führung die Mauer als „Antifaschistischen Schutzwall“, der die „Schlupflöcher für die ärgsten Feinde des deutschen Volkes“ (Walter Ulbricht) schloss.

In den Siebziger- und Achtzigerjahren gehörte die Mauer zur Lebensrealität der Berliner. Auf der Westseite entwickelte sich das Symbol des Kalten Krieges zur Touristenattraktion und zur Freiluft-Galerie. Immer mehr Künstler und Hobbykünstler nutzten die Mauer als Leinwand. Wie bei Straßenkunst und Graffiti üblich, veränderte sich dadurch das Erscheinungsbild der Mauer ständig – hatte jemand seine Botschaft oder sein Bild auf die Mauer aufgetragen, kamen häufig nachträglich weitere Kommentare oder Hinzufügungen von anderen dazu. So gab es einen anhaltenden Prozess der künstlerischen Auseinandersetzung an der Mauer. In den Achtzigerjahren nutzten einige berühmte Graffitikünstler wie Keith Haring, Thierry Noir und Ron English die Bekanntheit der Mauer. Sie schufen eigene Mauerkunstwerke.

Als die Mauer 1989 endlich fiel, bemächtigten sich Ost- und West-Berliner gemeinsam des trennenden Bauwerks. Demonstrativ erklommen sie die Mauer, um darauf das Ende der Teilung zu feiern. Wenig später verschwand die Mauer. Zuerst klopften sogenannte Mauerspechte große und kleine Brocken als Souvenirs ab, dann wurde die Mauer fast vollständig abgerissen. Einige Stücke wurden in alle Welt verkauft, große Teile zerkleinert und für den Straßenbau recycelt, übrig blieben nur wenige kürzere Mauerabschnitte. An der East Side Gallery in Friedrichshain bemalten Künstler die Mauer – diesmal jedoch die bisher meist unangetastete Ostseite. Die wenigen heute noch bestehenden Mauerstücke sind Zeitzeugen deutscher Geschichte und halten die Erinnerung an die Teilung wach.

Klassenfahrten nach Berlin

Schulfahrten sollen dem Bildungsauftrag der Schulen entsprechen und sind demnach eine Ergänzung und Fortführung des Fachunterrichts.

In Berlin lassen sich viele Kapitel der deutschen Geschichte erfahren. Die Spuren der deutschen Teilung sind – auch wenn sie nicht mehr allgegenwärtig sind – an vielen Orten gut nachvollziehbar.

An der East Side Gallery lässt sich Mauerkunst komprimiert erleben. Künstler aus aller Welt haben 1990 ihre Interpretationen zur Deutschen Einheit an diesen Mauerabschnitt gemalt. Die denkmalgeschützte East Side Gallery wurde 2009 restauriert, fast alle ursprünglichen Künstler haben ihre Werke neu gemalt.

Das Gedenkareal der Stiftung Berliner Mauer an der Bernauer Straße bietet ebenfalls ein längeres Stück der Berliner Mauer. Die Gedenkstätte ist die vorrangige und umfassendste Erinnerungsinstitution und ermöglicht es, den Todesstreifen und die Sperranlagen nachzuempfinden. Bis zum Jahr 2012 wird dort eine mehr als 40.000 Quadratmeter umfassende Open-Air-Ausstellung fertiggestellt.

In der Niederkirchnerstraße unweit des früheren Grenzübergangs Checkpoint Charlie finden sich gleichfalls Mauerreste. Der Erinnerungsort „Topographie des Terrors“ verbindet die Geschichte der deutschen Teilung mit einer Ausstellung über die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. An diesem Ort befand sich während des Dritten Reiches die Zentrale der Gestapo.

Auch das Stadtmuseum Berlin hat interessante Mauerstücke zu bieten. Am Märkischen Museum werden diese Mauerstücke als Teil der Berliner Stadt- und Kulturgeschichte ausgestellt und in einen zeitlichen und städtebaulichen Kontext gestellt.

 
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